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Kirmes mit Kindern: was sich lohnt und was nur Geld kostet

Ein Kirmesbesuch wird ein großartiger Nachmittag oder endet in Tränen. Meistens entscheidet das schon die Uhrzeit, zu der ihr hingeht.

Beleuchtete Kirmes in der Abenddämmerung mit Riesenrad und Kettenkarussell

An der Schießbude bleibt jedes Kind stehen. Bei uns war es der Riesen Teddy als Hauptgewinn, der oben auf dem Podest über den Blechdosen thronte und meine Tochter innerhalb von zwei Sekunden davon überzeugt hat, dass wir ohne ihn nicht nach Hause gehen. Was danach passiert, kennen die meisten Eltern: fünf Versuche, kein Treffer, und irgendwann steht die Frage im Raum, ob man weiterzahlt oder den Nachmittag in Tränen enden lässt.

Deshalb gleich am Anfang die unangenehme Wahrheit: Der große Bär auf dem Podest ist Werbung. Er hängt dort, damit Kinder ihn sehen und Eltern zahlen. Kein Schaustellerbetrieb kalkuliert so, dass der teuerste Preis regelmäßig rausgeht. Wer den Bären wirklich haben will, kauft ihn im Zweifel günstiger und ohne Tränen, als er an der Bude gekostet hätte. Alles andere im Folgenden ist trotzdem den Besuch wert, man muss nur wissen, worauf man sich einlässt.

Der Rest des Nachmittags wird gut, wenn ihr vorher drei Dinge klärt: wie viel Geld ausgegeben wird, welche Fahrgeschäfte für euer Kind überhaupt in Frage kommen und wann ihr wieder geht. Ohne diese drei Punkte wird aus einem schönen Ausflug ein Nachmittag, an dem ihr alle zwanzig Minuten verhandelt und am Ende trotzdem jemand weint. Mit ihnen bleibt es das, was es sein soll: laut, bunt, zu teuer und ziemlich schön. Unten stehen Preise aus eigener Erfahrung, Altersempfehlungen für die üblichen Fahrgeschäfte, eine ehrliche Einschätzung zu den Losbuden und der Zeitpunkt, zu dem sich ein Besuch mit kleinen Kindern am ehesten lohnt. Dazu die kurze Packliste, die bei uns inzwischen jedes Mal mitkommt.

Was ein Kirmesbesuch realistisch kostet

Die Preise unterscheiden sich je nach Stadt und Größe der Veranstaltung, aber die Größenordnung ist überall ähnlich:

  • Kinderkarussell: etwa 2 bis 3 Euro pro Fahrt
  • größere Fahrgeschäfte: 4 bis 7 Euro pro Person und Fahrt
  • Autoscooter: rund 3 Euro
  • Losbude: 1 bis 2 Euro pro Los
  • Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Waffel: jeweils 4 bis 6 Euro
  • Pommes oder Bratwurst: 5 bis 7 Euro

Für eine vierköpfige Familie, die einfach losläuft und alles mitnimmt, was gerade gefragt wird, sind achtzig Euro an einem Nachmittag schnell weg. Mit Plan reichen dreißig bis vierzig.

Was bei uns funktioniert: Jedes Kind bekommt vorher einen festen Betrag in die eigene Tasche, bei uns waren es zehn bis fünfzehn Euro. Damit entscheidet es selbst, ob es dreimal fährt oder einmal fährt und eine Zuckerwatte isst. Die Diskussionen hören damit fast vollständig auf, weil nicht mehr wir Nein sagen, sondern das Portemonnaie. Essen und Trinken zahlen wir extra, das ist sonst zu hart.

Achtet außerdem auf den Familientag. Viele Kirmes- und Volksfestbetreiber haben einen Wochentag, an dem alle Fahrgeschäfte reduziert sind, oft der Dienstag oder Mittwoch. Das halbiert die Kosten und die Wartezeiten gleich mit.

Welche Fahrgeschäfte ab welchem Alter

2 bis 3 Jahre

In dem Alter reicht das kleine Kinderkarussell, und das oft mehrfach hintereinander. Wichtig ist, dass ihr in Sichtweite steht und winkt. Alles, was sich schnell dreht, kippt oder in die Höhe fährt, ist zu früh. Die meisten großen Geräte haben ohnehin eine Mindestgröße, meist ab 1,00 oder 1,20 Meter.

Realistisch bleibt ihr in dem Alter eine Stunde, maximal anderthalb.

4 bis 6 Jahre

Jetzt kommen Kinderachterbahn, Raupe und die kleinen Wasserbahnen dazu. Autoscooter geht, wenn ein Erwachsener mitfährt und lenkt. Kettenkarussell ist der klassische Grenzfall: Manche Kinder lieben es sofort, andere erschrecken, sobald die Kette hochfährt. Frag vorher, ob es in dem Modell eine Variante ohne große Höhe gibt, oder fahr die erste Runde mit.

Riesenrad ist ab etwa vier gut, aber nur mit einem Erwachsenen in der Gondel und nur, wenn dein Kind nicht höhenempfindlich ist.

7 bis 9 Jahre

Der Bereich, in dem am meisten möglich ist. Break Dancer, Musik-Express, Spukhaus und Laufgeschäfte funktionieren gut. Das Spukhaus ist der Punkt, an dem viele Eltern falsch liegen. Die Dinger sind lauter und dunkler, als man von außen denkt, und ein Siebenjähriger, der drin panisch wird, kann nicht einfach aussteigen. Geh das erste Mal mit.

Ab 10 Jahren

Ab hier ist fast alles offen, und die Kinder wollen ohnehin allein losziehen. Das ist der Punkt, an dem ihr einen Treffpunkt und eine Uhrzeit vereinbart. Fixiert einen festen, gut sichtbaren Punkt (das Riesenrad, der Eingang) und nicht “beim Autoscooter”, davon gibt es meist mehrere.

Losbuden und Schießbuden ehrlich eingeordnet

Losbuden sind für kleine Kinder besser als Schießbuden, weil jedes Los gewinnt. Der Gewinn ist meistens ein Kleinstpreis aus der untersten Reihe, aber es gibt kein Scheitern und keine Enttäuschung. Für Vier- bis Sechsjährige ist das genau richtig.

Bei Geschicklichkeitsbuden solltest du Folgendes wissen:

  • Der Hauptgewinn oben auf dem Podest geht praktisch nie raus. Behandle ihn als Deko.
  • Realistisch erreichbar sind die kleinen und mittleren Preise, und auch die kosten mehr Versuche, als sie wert sind.
  • Dosenwerfen und Angeln sind fairer als Schießen und Basketball, weil sie weniger Technik erfordern.
  • Sag vorher, wie viele Versuche es gibt. Zwei Versuche, dann ist Schluss. Wer das erst nach dem misslungenen fünften Versuch ansagt, hat verloren.

Wenn dein Kind einen riesigen Teddy will, funktioniert bei uns dieser Satz gut: Wir versuchen es zweimal an der Bude, und wenn es nicht klappt, gucken wir zu Hause, ob wir so einen finden. Das nimmt den Druck aus der Situation, ohne dass du den Wunsch abwertest.

Reizüberflutung erkennen und abfangen

Kirmes ist Dauerbeschallung aus zwanzig Richtungen, dazu Blinklicht, Menschenmenge und Zuckerspitzen. Kleine Kinder kippen davon irgendwann um, und es kündigt sich meist nicht mit Weinen an, sondern mit Trotz, Zappeln oder plötzlicher Anhänglichkeit.

Was hilft:

  • Gehörschutz für Kinder unter sechs. Ein Kapselgehörschutz kostet wenig und macht bei manchen Kindern den Unterschied zwischen anderthalb Stunden und drei.
  • Ruhepausen einbauen. Einmal in der Stunde raus aus dem Getümmel, an den Rand des Platzes oder auf eine Bank. Fünf Minuten reichen oft.
  • Nicht alles an einem Tag. Zwei Fahrgeschäfte, eine Bude, etwas zu essen. Mehr braucht ein Fünfjähriger nicht.
  • Zucker dosieren. Zuckerwatte plus Softeis plus Limonade rächt sich zuverlässig, und zwar auf dem Heimweg.
  • Vorher ansagen, wann Schluss ist. “Wir gehen, wenn du zweimal gefahren bist” funktioniert besser als ein plötzliches Aufbruchsignal.

Der beste Zeitpunkt für den Besuch

Mit kleinen Kindern: nachmittags unter der Woche, am besten direkt zur Öffnung. Es ist leerer, die Warteschlangen sind kurz, die Musik ist noch nicht auf voller Lautstärke und ihr seid rechtzeitig vor dem Abendessen wieder zu Hause.

Der Abend hat den schöneren Anblick, weil erst dann die Beleuchtung zur Geltung kommt. Das ist ein Argument ab etwa acht Jahren. Darunter fällt der Effekt mit der Müdigkeit zusammen, und ihr steht mit einem übermüdeten Kind in der größten Menschenmenge des Tages.

Wochenendabende und der Tag mit dem Feuerwerk sind die vollsten Zeitpunkte überhaupt. Feuerwerk mit Kindern unter sechs braucht Gehörschutz und ausreichend Abstand, und selbst dann ist es ein Risiko.

Was bei uns immer mitkommt

  • Bargeld in kleinen Scheinen, viele Buden nehmen keine Karte
  • Feuchttücher, weil Zuckerwatte alles klebrig macht
  • eine Wasserflasche, damit ihr nicht jedes Getränk kaufen müsst
  • eine Jacke, auch wenn es nachmittags warm ist
  • ein Zettel mit deiner Handynummer in der Kinderjackentasche
  • ein Foto vom Kind, aufgenommen am selben Tag, für den Fall, dass ihr euch verliert

Der Punkt mit dem Foto klingt übertrieben, bis es einmal passiert. Auf einem vollen Platz dauert es dreißig Sekunden, und dann ist es gut, wenn du nicht beschreiben musst, welche Farbe die Jacke hatte.

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