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Freizeit mit Kindern
BastelnHerbst

Kastanien basteln mit Kindern: Figuren, Tiere und Ketten

Kastanienbasteln ist billig, schnell und funktioniert schon mit Dreijährigen. Vorausgesetzt, ihr sammelt frisch und bohrt so, dass niemand sich verletzt.

Kastanien sind das dankbarste Bastelmaterial des Jahres. Sie kosten nichts, sie liegen im Oktober überall herum, und ein Kastanienmännchen ist in zehn Minuten fertig. Das macht sie zur besten Idee für einen Nachmittag, an dem gerade nichts geplant war.

Zwei Dinge entscheiden aber darüber, ob der Nachmittag schön wird oder in Frust endet: wie frisch die Kastanien sind und wie ihr die Löcher hineinbekommt. Beides steht hier ausführlich, weil beides in den meisten Anleitungen fehlt.

Wo und wann ihr sammelt

Rosskastanien fallen bei uns ab Mitte September, richtig ergiebig wird es Anfang bis Mitte Oktober. Danach liegt zwar noch viel herum, aber vieles davon ist schon eingetrocknet oder von innen braun.

Gute Sammelstellen:

  • Parks und alte Alleen, dort stehen die meisten Rosskastanien
  • Schulhöfe und Kirchplätze, oft mit sehr großen Bäumen
  • Friedhöfe, dort wird selten weggeräumt

Was ich meide: Kastanien direkt an vielbefahrenen Straßen. Sie liegen im Straßenschmutz, und Kinder haben sie beim Basteln eine Stunde lang in der Hand.

Ein Punkt, den man wissen sollte: Rosskastanien sind nicht essbar. Für Schulkinder ist das kein Thema, aber bei Kleinkindern gilt dasselbe wie bei allen kleinen runden Dingen. Unter drei Jahren gehören Kastanien nicht unbeaufsichtigt in Reichweite, weder zum Verschlucken noch zum Probieren. Die essbaren Maronen wachsen in stacheligen, igelartigen Hüllen und sehen anders aus.

Wenn ihr den Sammelgang mit einem längeren Nachmittag draußen verbinden wollt, passen die Ideen aus dem Beitrag gegen den Herbstblues gut dazu.

Warum frische Kastanien den Unterschied machen

Eine frisch gefallene Kastanie ist glänzend, prall und innen weich genug, dass ein Bohrer ohne Kraft hineingeht. Eine zwei Wochen alte Kastanie ist matt, hart und springt beim Bohren gern auf. Genau daran scheitern die meisten Bastelnachmittage.

Deshalb: sammeln und noch am selben oder am nächsten Tag basteln. Wer später basteln will, lagert die Kastanien offen in einem Korb an einem kühlen Ort. In der Plastiktüte schimmeln sie innerhalb von drei bis vier Tagen, das ist bei uns schon zweimal passiert.

Aussortieren lohnt sich vorher. Alles mit Druckstelle, Loch oder weicher Stelle fliegt raus. Aus zwei Tüten Kastanien bleiben erfahrungsgemäß gut zwei Drittel übrig, die wirklich schön sind.

Löcher bohren, ohne dass jemand sich verletzt

Das ist der einzige Punkt beim Kastanienbasteln, an dem etwas passieren kann. Kastanien sind rund und rollen weg, und wer sie beim Bohren in der Hand hält, bohrt irgendwann in den Finger.

Was funktioniert

  • Handbohrer aus dem Bastelbedarf, ab 8 Jahren unter Aufsicht. Er dreht langsam, die Kraft kommt aus der Hand des Kindes. Das ist die sicherste Variante, bei der Kinder selbst bohren.
  • Kastanie in Knete oder in einen Eierkarton setzen. So liegt sie fest und rollt nicht weg. Die zweite Hand bleibt weg von der Kastanie.
  • Akkuschrauber mit dünnem Holzbohrer, ausschließlich von Erwachsenen. Schnell und sauber, aber die Kastanie gehört dabei in eine kleine Schraubzwinge oder in ein Handtuch, nicht in die Hand.
  • Ganz ohne Bohren: In eine wirklich frische Kastanie lässt sich ein Zahnstocher mit etwas Druck direkt hineindrehen. Bei Vier- und Fünfjährigen mache ich es nur noch so.

Was ich nicht mehr mache

Nagel und Hammer sehen nach der naheliegenden Lösung aus. Die Kastanie platzt dabei aber oft, und der Nagel rutscht auf der gewölbten Schale weg. Bei uns ist genau so einmal ein Finger blau geworden.

Auch von Nadeln und spitzen Scheren als Ersatzbohrer rate ich ab. Beide brechen ab oder rutschen.

Praktische Faustregel: Bohren ist Erwachsenensache, alles danach machen die Kinder. Bei einem Nachmittag mit acht Kastanienmännchen bohre ich alle Löcher am Stück vor, dann läuft das Basteln ohne Unterbrechung.

Kastanienmännchen

  • Alter: ab 3 Jahren, Löcher werden vorgebohrt
  • Dauer: 10 bis 15 Minuten pro Figur
  • Erwachsene übernehmen: Bohren, Zahnstocher kürzen

Material:

  • 2 Kastanien pro Figur, eine große für den Körper, eine kleine für den Kopf
  • Zahnstocher oder Streichhölzer für Arme und Beine
  • Eicheln, Eichelhütchen als Mützen
  • Wackelaugen, wahlweise ein Filzstift
  • Knete oder eine halbierte Kastanie als Standfläche

Das Grundprinzip: Zahnstocher in den Körper, oben ein kürzerer für den Hals, darauf der Kopf. Die spitzen Enden der Zahnstocher knipse ich vorher mit einer alten Schere ab, dann kann sich niemand daran stechen.

Was Kinder daran am meisten mögen, sind nicht die Figuren selbst, sondern die Geschichten drumherum. Bei uns entsteht regelmäßig eine ganze Familie mit Hund, und die zieht dann in eine Schuhkartonwohnung. Plant dafür ruhig mehr Zeit ein als für das Basteln selbst.

Kastanientiere

  • Alter: ab 3 für Raupe und Spinne, ab 6 für die filigraneren
  • Dauer: 15 bis 25 Minuten
  • Erwachsene übernehmen: Bohren, bei Bedarf Heißkleber

Die vier, die bei uns zuverlässig gelingen:

  • Raupe: fünf bis sieben Kastanien mit einem durchgehenden Loch, auf einen Pfeifenreiniger gefädelt. Vorn Augen und zwei kurze Fühler. Das ist die einfachste Figur überhaupt.
  • Spinne: eine Kastanie, acht Löcher rundherum, acht kurze Pfeifenreiniger als Beine. Die Beine lassen sich biegen, dadurch steht sie.
  • Eule: eine Kastanie, zwei Eichelhütchen als Ohren, Flügel aus Filz oder aus einem gepressten Blatt. Hier braucht es Heißkleber, also Erwachsenenarbeit.
  • Igel: Kastanie mit abgeknipsten Zahnstochern als Stacheln. Sieht am ersten Tag am besten aus, dazu unten mehr.

Für einen Herbstgeburtstag funktioniert eine Kastanienstation gut, weil sie ohne Anleitung läuft und jedes Kind etwas mit nach Hause nimmt. Weitere Stationen dieser Art stehen unter Bastelideen für den Kindergeburtstag.

Kastanienkette

  • Alter: ab 5, Fädeln ab 4 mit Hilfe
  • Dauer: 30 bis 45 Minuten
  • Erwachsene übernehmen: die Löcher komplett durchbohren

Material:

  • 10 bis 15 Kastanien mit durchgehendem Loch
  • feste Schnur, Paketschnur oder Lederband
  • als Abstandhalter Perlen, Eicheln oder kurze Strohhalmstücke

Wichtig ist ein durchgehendes Loch von einer Seite zur anderen. Das gelingt am besten, wenn man von beiden Seiten bohrt und sich in der Mitte trifft. Zum Fädeln nehmen wir eine Schnur, deren Ende mit Tesafilm umwickelt ist, dann franst sie nicht aus und geht wie ein Schnürsenkel durch.

Eine Kette aus reinen Kastanien ist ziemlich schwer und rutscht Kindern ständig vom Hals. Mit Perlen oder Strohhalmstücken zwischen den Kastanien wird sie leichter und sieht dazu besser aus.

Wie lange das Gebastelte hält

Das ist der Punkt, den kaum jemand dazuschreibt: Kastanienfiguren halten nicht.

Nach etwa fünf bis sieben Tagen im geheizten Zimmer beginnt die Schale zu schrumpeln. Nach zwei bis drei Wochen sind aus prallen Kastanien faltige, matte Kügelchen, und die Zahnstocher sitzen locker oder fallen heraus. Beim Igel sieht man es zuerst.

Was dagegen nicht hilft:

  • Klarlack. Die Kastanie verliert das Wasser trotzdem, der Lack wirft dann Falten mit.
  • Acrylfarbe. Sie platzt in Schuppen ab, sobald sich die Schale zusammenzieht.
  • Kühl lagern. Verzögert es um ein paar Tage, mehr nicht.

Ich sage meinen Kindern das inzwischen vorher. Kastanienbasteln ist etwas für den Moment, so wie eine Sandburg. Wer eine Figur behalten will, macht sie aus Salzteig und drückt Kastanien nur als Verzierung hinein, oder fotografiert die fertige Kastanienfamilie am Basteltag.

Was ihr mit den übrigen Kastanien macht

Am Ende bleibt meistens der halbe Korb übrig. Drei Verwendungen, die bei uns wirklich vorkommen:

  • Fühlkiste: Kastanien in eine große Schüssel, Kleinkinder wühlen darin, ältere suchen versteckte Gegenstände. Beschäftigt Zweijährige erstaunlich lange, aber nur unter Aufsicht.
  • Zielwerfen: Eimer aufstellen, Kastanien hineinwerfen. Klingt banal, trägt an einem trüben Nachmittag eine halbe Stunde. Mehr in dieser Richtung steht unter Beschäftigung für Kinder bei Regen.
  • Kompost: Der Rest kommt bei uns auf den Kompost, spätestens wenn die ersten weichen Stellen bekommen.

Wenn ihr noch anderes Herbstmaterial gesammelt habt, geht es unter Herbstbasteln mit Kindern mit Blättern, Zapfen und Eicheln weiter. Alle Bastelideen nach Jahreszeit sortiert findet ihr im Bereich Basteln mit Kindern.

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