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Prinzessinnenzimmer im Hotel: lohnt sich der Aufpreis?

Ein Bett mit Baldachin begeistert eine Fünfjährige sofort. Ob der Aufpreis stimmt, hängt an Dingen, die auf keinem Hotelfoto zu sehen sind.

Rosa Kinderbett mit Prinzessinnen-Motiven und Schublade als Stauraum
Rosa Kinderbett mit Prinzessinnen-Motiven und Schublade als Stauraum

Der erste Blick ins Zimmer entscheidet über den halben Urlaub, jedenfalls bei einer Fünfjährigen. Als wir zum ersten Mal ein Familienhotel mit Themenzimmern gebucht hatten, stand meine Tochter in der Tür, sah das Prinzessin Bett im Hotelzimmer mit Baldachin und Lichterkette und war für zehn Minuten nicht ansprechbar. Dafür haben wir rund vierzig Euro pro Nacht mehr bezahlt als für das Standardzimmer eine Tür weiter.

Ob das ein gutes Geschäft war, hängt davon ab, was man erwartet hat. Ein Themenzimmer ist in den meisten Häusern ein normales Hotelzimmer mit einem besonderen Bett und etwas Deko an der Wand. Alles andere bleibt gleich: derselbe Schrank, dasselbe Bad, derselbe Blick auf den Parkplatz. Wer eine begehbare Märchenwelt erwartet, wird enttäuscht.

Und über die Nächte entscheidet am Ende nicht der Baldachin, sondern die Matratze darunter. Themenbetten sind oft Sonderanfertigungen mit ungewöhnlichen Maßen, und in einigen Häusern liegt darin eine dünne Schaumstoffmatte, die schon einige Saisons hinter sich hat. Das merkst du spätestens am zweiten Morgen, wenn dein Kind gerädert und quengelig aufwacht.

Trotzdem würden wir es wieder buchen, nur nicht in jeder Konstellation. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt an drei Dingen: am Alter des Kindes, an der Länge des Aufenthalts und daran, wie viel Zeit ihr überhaupt im Zimmer verbringt. Wer eine ganze Woche bleibt und ein Kind mitten in der Prinzessinnenphase hat, kauft sich damit entspannte Abende und ein Kind, das freiwillig ins Bett geht. Wer zwei Nächte auf der Durchreise bucht, zahlt für Deko, die kaum jemand richtig wahrnimmt. Alles Weitere steht unten, sortiert nach Alter, Buchung und dem, was zu Hause davon übrig bleibt.

Ab welchem Alter Themenzimmer wirklich ziehen

Unter 3 Jahren: spar dir das Geld

Kleinkinder registrieren das Zimmer kaum. Was sie interessiert, ist, ob Mama und Papa da sind und ob es etwas zu erklettern gibt. Der Baldachin ist in dem Alter eher ein Risiko, weil Stoffbahnen und Lichterketten in Reichweite hängen. Bucht lieber ein normales Zimmer und steckt das Geld in ein Haus mit gutem Betreuungsangebot.

3 bis 6 Jahre: die Kernzielgruppe

Hier funktioniert es am besten. Kinder in diesem Alter gehen komplett im Rollenspiel auf, und das Zimmer wird für eine Woche zur Kulisse. Meine Tochter hat sich in dem Urlaub jeden Abend freiwillig ins Bett gelegt, weil das Bett der Teil des Zimmers war, den sie liebte. Das allein hat den Aufpreis für uns gerechtfertigt.

7 bis 9 Jahre: kommt darauf an

In diesem Alter merken Kinder, ob etwas liebevoll gemacht oder nur aufgeklebt ist. Ein Bett mit echtem Betthimmel zieht noch. Ein Zimmer, in dem lediglich eine Folie an der Wand klebt und ein rosa Kissen liegt, wird ziemlich schnell als das erkannt, was es ist.

Ab 10 Jahren: eher nicht mehr

Ältere Kinder finden Themenzimmer meistens peinlich, besonders wenn Geschwister oder Freunde dabei sind. Ab diesem Alter zählt anderes: ein eigenes Zimmer, WLAN, ein Pool mit Rutsche.

Worauf du beim Buchen achten solltest

Fragen, die du vorher stellen solltest

Ruf im Hotel an, statt dich auf die Buchungsseite zu verlassen. Diese Fragen lohnen sich:

  • Wie viele Themenzimmer gibt es und sind alle gleich ausgestattet? Häuser fotografieren gern ihr bestes Zimmer und vermieten dann fünf abgespeckte Varianten unter derselben Bezeichnung.
  • Wie alt ist die Einrichtung? Themenzimmer altern schnell, weil täglich Kinder darin toben.
  • Welche Maße hat das Bett? Sonderbetten sind oft kürzer als ein normales Einzelbett. Bei einem großen Achtjährigen wird das eng.
  • Sind Eltern und Kinder im selben Raum? Manche Themenzimmer sind reine Kinderzimmer mit Verbindungstür, andere sind ein Raum mit Kinderbett in der Ecke. Der Unterschied ist erheblich, wenn du abends noch wach sein möchtest.
  • Was kostet das Zimmer ohne Thema? Erst der Vergleich zeigt, wie hoch der Aufpreis wirklich ist.
  • Gibt es eine Möglichkeit, das Zimmer vorher zu sehen? Manche Häuser schicken auf Nachfrage aktuelle Handyfotos.

Was auf den Hotelfotos gerne fehlt

  • die Position des Zimmers (Themenzimmer liegen oft im lauteren Trakt, weil Familien ohnehin Lärm machen)
  • die Größe der Elternbetten, die manchmal zugunsten des Kinderbetts geschrumpft sind
  • fehlende Verdunkelung, was im Sommer bedeutet, dass um 21 Uhr niemand einschläft
  • ob es überhaupt Stauraum gibt

Wann der Aufpreis sich nicht lohnt

Aus unserer Erfahrung in vier verschiedenen Häusern: Rechne den Aufpreis auf den ganzen Aufenthalt hoch und stell dir die Frage, wie viel Zeit ihr tatsächlich im Zimmer verbringt.

Lass es, wenn:

  • ihr nur ein oder zwei Nächte bleibt. Bei einer Zwischenübernachtung auf der Fahrt in den Urlaub ist das rausgeworfenes Geld.
  • der Aufpreis mehr als etwa dreißig Prozent des Zimmerpreises ausmacht und dafür nur Deko dazukommt.
  • ihr in einem Haus seid, das ohnehin ein volles Programm hat. Wer von morgens bis abends im Kinderclub und am Pool ist, sieht das Zimmer nur zum Schlafen.
  • die Fotos nach Katalog aussehen und niemand am Telefon bestätigen will, dass das Zimmer noch so aussieht.

Es lohnt sich, wenn ihr eine Woche bleibt, das Kind zwischen drei und sieben ist und der Aufpreis überschaubar bleibt. Dann kaufst du nicht Deko, sondern entspannte Abende.

Den Effekt zu Hause nachbauen

Das ist der ehrlichste Teil: Den größten Teil der Begeisterung bekommst du auch ohne Hotel hin, und zwar für sehr wenig Geld.

An einem Nachmittag

  • Ein Betthimmel zum Aufhängen kostet wenig und wird an einem Haken in der Decke befestigt. Achte darauf, dass der Stoff nicht bis zum Boden reicht und nicht in Griffhöhe von Kleinkindern hängt.
  • Eine warmweiße Lichterkette mit Batteriebetrieb, an der Wand hinter dem Bett befestigt, verändert das Zimmer abends komplett. Keine Kette mit Netzteil im Kinderbett.
  • Ein zusätzliches Kissen und eine Decke in einer anderen Farbe machen aus dem Bett optisch etwas Neues.
  • Ein selbst gemaltes Wappen oder Namensschild an der Tür. Das ist Bastelprogramm und Deko in einem.

Wenn es länger halten soll

Wer wirklich in ein Themenbett investieren will, sollte auf die banalen Dinge achten und nicht auf das Motiv: stabile Verbindungen, glatte Kanten, ausreichende Höhe der Rausfallschutzleisten, ein Lattenrost, der zum Rahmen passt, und eine Matratze in der richtigen Größe. Motive verlieren ihren Reiz nach ein bis zwei Jahren. Der Rahmen soll aber fünf Jahre halten.

Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Bettkästen unter der Liegefläche sind mehr wert als jedes Motiv. Bei uns verschwindet darin abends in zwei Minuten, was sonst eine halbe Stunde Aufräumen bedeutet hätte.

Unser Fazit

Wir haben das Themenzimmer zweimal gebucht und zweimal bewusst nicht. Beide Male, in denen wir es gelassen haben, hat es niemand vermisst, weil das Programm im Haus stimmte. Beide Male, in denen wir es gebucht haben, war es ein Wochenurlaub mit einem Kind mitten in der Prinzessinnenphase. Das ist ungefähr die Regel, nach der wir heute entscheiden.

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