Zum Inhalt springen
Freizeit mit Kindern
UrlaubBabyAnreise

Urlaub mit Baby: Tipps für die erste gemeinsame Reise

Der erste Urlaub mit Baby scheitert selten am Ziel und fast immer an der Planung drumherum.

Erwachsener und Kleinkind stehen am Strand im flachen Wasser und schauen aufs Meer

Der erste Urlaub mit Baby wird selten dadurch gut, dass das Ziel besonders schön ist. Er wird dadurch gut, dass die Anreise kurz ist, die Unterkunft eine Küche hat und ihr abends nicht im abgedunkelten Zimmer sitzt und flüstert. Das klingt unromantisch, entspricht aber ziemlich genau unserer Erfahrung.

Ich schreibe hier auf, was wir beim ersten Mal falsch eingeschätzt haben und was sich seitdem bewährt hat. Medizinische Fragen gehören nicht in einen Blogbeitrag, dafür gibt es die Kinderarztpraxis. Alles andere ist Organisation, und die kann man planen.

Die Anreise ist der Teil, der über den Urlaub entscheidet

Rechnet nicht mit der Entfernung, sondern mit der Zeit von Haustür bis Unterkunft. Vier Stunden Fahrt plus eine Stunde Pausen plus Schlüsselübergabe sind ein halber Tag, und der findet mit einem Baby nicht in Ruhe statt.

Auto

Aus meiner Sicht die entspannteste Variante für die erste Reise, weil ihr über die Zeiten bestimmt. Zwei Punkte dazu: Fahrt möglichst in den Schlafphasen los, also entweder direkt nach dem Frühstück oder am frühen Abend. Und plant alle zwei Stunden eine Pause ein, in der das Baby aus dem Sitz herauskommt. Babyschalen sind nicht dafür gedacht, dass ein Säugling stundenlang darin liegt. Wie lang am Stück vertretbar ist, klärt ihr am besten kurz beim nächsten Vorsorgetermin.

Wer nachts fährt, sollte ehrlich prüfen, ob der fahrende Elternteil das wirklich schafft. Übermüdet mit Baby im Auto ist keine gute Idee.

Zug

Unterschätzt. Ihr könnt aufstehen, füttern, wickeln, und niemand muss sich auf die Straße konzentrieren. Zwei Dinge sind wichtig: Reserviert im Familienbereich oder im Kleinkindabteil, und nehmt so wenig Gepäck mit, dass ihr es allein tragen könnt, wenn der Aufzug am Umsteigebahnhof ausfällt. Das passiert öfter, als es sollte. Ein Direktzug ist eine Umsteigeverbindung immer wert, auch wenn er eine Stunde länger braucht.

Flug

Möglich, aber für die erste Reise nicht mein Vorschlag. Wenn es doch ein Flug wird: Beim Start und bei der Landung hilft Trinken gegen den Druck auf den Ohren, also Brust, Flasche oder Schnuller genau in diesen Phasen anbieten. Babys unter zwei Jahren fliegen meist auf dem Schoß, ein eigener Sitzplatz ist optional und kostenpflichtig.

Zum verbreiteten Rat, immer den Nachtflug zu nehmen: Das kann aufgehen, muss aber nicht. Ein Baby, das im Flugzeug nicht schläft, ist um drei Uhr nachts anstrengender als um drei Uhr nachmittags, und ihr seid es auch. Bei kurzen Strecken innerhalb Europas ist ein Vormittagsflug in der Regel die ruhigere Wahl.

Unterkunft: vier Dinge, auf die es wirklich ankommt

Ein zweiter Raum. Der wichtigste Punkt überhaupt. Wenn das Baby um sieben schläft und ihr im selben Zimmer sitzt, ist euer Abend um sieben zu Ende. Eine Ferienwohnung ist deshalb oft besser als ein Hotelzimmer, selbst wenn sie weniger komfortabel ist.

Eine Küche oder wenigstens Wasserkocher und Kühlschrank. Fläschchen, Brei, Milch kühlen, Sauger auskochen. Ohne das wird jede Mahlzeit zur Organisation.

Verdunklung. Im Sommer ist es um acht noch hell. Rollläden oder dichte Vorhänge entscheiden darüber, ob euer Abendrhythmus hält. Wenn ihr unsicher seid, packt zwei große dunkle Mülltüten und Malerkrepp ein, das ist unschön und wirkt.

Erreichbarkeit. Dritter Stock ohne Aufzug mit Kinderwagen, Koffer und Baby ist jeden Tag eine Übung. Fragt vorher, statt euch überraschen zu lassen.

Fragt außerdem konkret nach, was vor Ort gestellt wird: Reisebett, Hochstuhl, Wickelmöglichkeit, Badewanneneinsatz. Alles, was ihr nicht mitschleppen müsst, spart Platz im Auto. Wie unterschiedlich Unterkünfte auf Kinder eingehen, sieht man später bei Kleinkindern noch deutlicher, etwa bei Themenzimmern im Hotel.

Gepäck: entscheidend ist die Tasche, die ihr in der Hand habt

Der Koffer im Kofferraum ist unkritisch, den packt man notfalls nach. Worauf es ankommt, ist die Wickeltasche griffbereit, in der alles steckt, was ihr unterwegs braucht.

In die Wickeltasche gehören:

  • Windeln, mehr als ihr für die Strecke rechnet
  • Feuchttücher und eine Einweg-Wickelunterlage
  • zwei komplette Wechselgarnituren, nicht eine
  • ein zusätzliches Oberteil für euch selbst
  • Ersatzschnuller, falls im Gebrauch
  • Trinkflasche, abgekochtes Wasser, Pulver getrennt abgemessen
  • ein kleiner Snack für ältere Babys
  • Spucktücher, davon nie zu wenig
  • Müllbeutel für benutzte Windeln, gerade im Zug Gold wert

Dazu ein Kuscheltier, das ins Handgepäck gehört und nicht in den Koffer. Bei uns war das ein Teddy, den unsere Tochter überallhin mitgenommen hat. Nehmt das vertraute Stück mit, nicht das schöne neue. Und wenn es ein Einzelstück ist, das nicht ersetzbar wäre, überlegt euch gut, ob es mitfährt.

In den Koffer kommt der Rest: Kleidung in Schichten, Sonnenhut, Sonnenschutz für Babyhaut, Schlafsack in der gewohnten Größe, Waschzeug und die eigene Wund- und Heilsalbe. Was ihr in aller Regel nicht braucht: Spielzeug in größerer Menge. Zwei bis drei bekannte Sachen reichen, in einer fremden Umgebung ist ohnehin alles interessant, was herumliegt.

Tagesrhythmus: eine Sache pro Tag

Der häufigste Fehler ist, das Urlaubsprogramm von früher beizubehalten. Mit Baby ist ein Vorhaben pro Tag realistisch, entweder vormittags oder nachmittags, nicht beides. Der Rest des Tages geht für Füttern, Schlafen, Wickeln und Wege drauf, und das ist keine verlorene Zeit, sondern die Grundlage dafür, dass abends niemand am Ende ist.

Haltet die Schlafenszeiten so nah wie möglich am Zuhause-Rhythmus. Ein bis zwei Stunden Abweichung fangen die meisten Babys ab, mehr wird zäh. Und plant den ersten Tag als Ankommtag ein, ohne Programm. Wir haben das zweimal nicht getan und beide Male bezahlt.

Wenn ihr zu zweit reist, hilft eine simple Absprache: Jeder bekommt eine feste Stunde am Tag für sich, morgens der eine, nachmittags der andere. Das ist das gleiche Prinzip, das auch bei einem Yogaurlaub mit Kindern den Unterschied macht, und es funktioniert nur, wenn es vorher verabredet ist.

Gesundheit und Vorsorge

Hier gilt: Das gehört in die Praxis, nicht ins Internet. Was ihr organisatorisch tun könnt, ist überschaubar und sollte früh passieren.

Bei Reisen in ferne Länder solltet ihr euch rechtzeitig über bestimmte Impfungen informieren und den Termin beim Kinderarzt mindestens sechs bis acht Wochen vor Abflug machen. Manche Impfungen brauchen Vorlauf, und bei Säuglingen gelten eigene Altersgrenzen. Was für euer Kind sinnvoll und möglich ist, entscheidet die Ärztin, nicht eine Checkliste.

Was in die Unterlagenmappe gehört:

  • gelbes Untersuchungsheft und Impfausweis
  • Versichertenkarte, bei EU-Reisen die europäische Krankenversicherungskarte
  • Auslandsreisekrankenversicherung, außerhalb der EU praktisch Pflicht, weil ein Rücktransport sonst teuer wird
  • Kinderausweis oder Reisepass, auch Babys brauchen ein eigenes Dokument
  • Notfallnummern, dazu vorab die nächstgelegene Kinderarztpraxis oder Klinik am Urlaubsort heraussuchen

Die kleine Reiseapotheke stellt ihr am besten mit der Praxis zusammen, inklusive Fieberthermometer und dem, was ihr zu Hause ohnehin verwendet. Bei Fieber im Urlaub gilt dasselbe wie daheim: im Zweifel ärztlich abklären lassen.

Was wir beim nächsten Mal anders gemacht haben

Kürzere Anfahrt, längerer Aufenthalt. Eine Woche an einem Ort ist mit Baby besser als zwei Stationen in zehn Tagen. Ferienwohnung statt Hotel. Ankommtag ohne Programm. Und weniger Gepäck, weil sich herausgestellt hat, dass Windeln und Brei auch im Ausland verkauft werden.

Das Ziel selbst war rückblickend das Unwichtigste an der ganzen Reise. Weitere Erfahrungen zur Planung sammeln wir unter Urlaub mit Kindern.

Das könnte auch passen