Freizeitbeschäftigung für Kinder im Herbst: Ideen gegen den grauen Blues
Wenn es früh dunkel wird und der Regen ans Fenster klopft, wird die Freizeitgestaltung zäh. Diese Ideen funktionieren genau dann.
Der Herbst hat bei uns einen schlechten Ruf, und ich verstehe warum. Ab Ende Oktober ist es um halb fünf dunkel, die Jacken sind nie richtig trocken, und irgendwer hat immer Schnupfen. Trotzdem ist es die Jahreszeit, in der die meisten unserer Nachmittagsideen entstanden sind. Das liegt weniger an guter Laune als daran, dass man im Herbst gezwungen ist, sich etwas einfallen zu lassen.
Was hier steht, haben wir selbst ausprobiert. Bei manchem schreibe ich dazu, ab welchem Alter es Sinn ergibt oder warum es bei uns nicht geklappt hat. Eine Freizeitbeschäftigung für Kinder im Herbst muss vor allem eins können: auch dann noch funktionieren, wenn das Wetter nicht mitspielt.
Erst raus, dann rein: die Reihenfolge entscheidet
Bei uns hat sich ein Ablauf eingespielt, der fast immer trägt. Eine Stunde draußen mit einem klaren Auftrag, danach drinnen etwas aus dem, was wir mitgebracht haben. Der Auftrag ist der eigentliche Trick. Ein Spaziergang ohne Ziel wird bei Nieselregen nach zehn Minuten zur Verhandlung. Ein Spaziergang, bei dem jedes Kind eine Tüte bekommt und zwanzig Kastanien sammeln soll, trägt eine ganze Stunde.
Sammeln mit Auftrag
Gesammelt wird alles, was sich später verarbeiten lässt: Kastanien, Eicheln, Zapfen, gerade Stöcke, besonders bunte Blätter. Zwei Dinge sind wichtig. Erstens das Zeitfenster: Kastanien fallen bei uns von Ende September bis Mitte Oktober. Frische Kastanien sind weich genug, dass ein Zahnstocher hineingeht. Zwei Wochen alte sind hart und splittern, dann wird das Basteln zur Erwachsenenarbeit. Zweitens die Lagerung: nicht in der Plastiktüte, sonst schimmeln sie innerhalb weniger Tage. Eine offene Schale auf der Fensterbank reicht.
Bucheckern und Eicheln bitte nur zum Basteln, nicht als Naschmaterial. Bei Kleinkindern, die noch alles in den Mund nehmen, lasse ich Eicheln lieber ganz weg.
Drachen steigen lassen, ehrlich betrachtet
Drachen stehen in jeder Herbstliste. Bei uns klappt es in etwa jedem dritten Versuch. Es braucht gleichmäßigen Wind, ein wirklich freies Feld ohne Bäume und Stromleitungen, und Kinder unter etwa sechs Jahren halten die Schnur nicht lange genug, um Frust zu vermeiden. Der Fünf-Euro-Folienrachen aus dem Supermarkt reißt gern beim ersten kräftigen Zug. Wenn ihr es probiert: abgeerntete Felder ab Ende September, nachmittags, und rechnet damit, dass der erste Versuch danebengeht. Beim zweiten Mal wisst ihr, wie viel Schnur ihr braucht.
Pfützen und Matsch
Klingt banal, ist aber der verlässlichste Punkt auf der ganzen Liste, und zwar von etwa zwei bis mindestens acht Jahren. Bedingung ist die Ausrüstung: Gummistiefel, die wirklich passen, und eine Matschhose. Ohne Matschhose ist der Nachmittag nach zwanzig Minuten vorbei, mit hält er zwei Stunden. Das ist die einzige Anschaffung, die ich für den Herbst uneingeschränkt empfehle, und sie kostet weniger als ein Nachmittag im Indoorspielplatz.
Aus den Fundstücken wird drinnen etwas
Der zweite Teil des Nachmittags läuft am Küchentisch, am besten mit heißem Kakao daneben. Wichtig ist, dass die Bastelidee zum Alter passt, sonst sitzt am Ende ihr da und das Kind schaut zu.
Kastanientiere
Material: Kastanien, Eicheln, Zahnstocher, dazu ein Handbohrer oder eine Ahle. Die Löcher bohrt ein Erwachsener vor, das ist nicht verhandelbar. Ab vier Jahren stecken Kinder die Teile zusammen, ab sechs geht es weitgehend allein. Rechnet mit 30 bis 45 Minuten, danach ist die Luft raus. Erwartet keine ganze Tierparade. Zwei oder drei Figuren pro Kind sind ein normales Ergebnis.
Blätter pressen und weiterverarbeiten
Blätter zwischen Zeitungspapier legen, dicke Bücher darauf, eine Woche warten. Aufwand: fünf Minuten. Der Haken ist die Wartezeit, die für ein vierjähriges Kind gefühlt ewig dauert. Wer sofort ein Ergebnis braucht, legt ein Blatt unter Papier und rubbelt mit einem Wachsmalstift darüber. Das dauert zwei Minuten, funktioniert ab drei Jahren und sieht besser aus, als es klingt. Aus den gepressten Blättern werden später Fensterbilder, Lesezeichen oder aufgeklebte Igel und Füchse.
Salzteig
Zwei Teile Mehl, ein Teil Salz, ein Teil Wasser, kneten, ausrollen, ausstechen. Das Loch für die Schnur nicht vergessen, hinterher bohren geht nicht mehr. Getrocknet wird im Backofen bei etwa 50 Grad über mehrere Stunden oder an der Luft über zwei bis drei Tage. Zu heiß gebacken wirft der Teig Blasen. Bemalt wird am nächsten Tag, das ist dann eine zweite Beschäftigung. Der große Vorteil: Das Material kostet fast nichts, und was misslingt, wandert zurück in die Schüssel. Wer im Oktober anfängt, hat die ersten Baumanhänger fertig, bevor die Adventszeit stressig wird.
Weitere Anleitungen mit Materialliste und Zeitangabe stehen im Bereich Basteln mit Kindern.
Wenn es um vier schon dunkel ist
Das eigentliche Problem am Herbst ist nicht der Regen, sondern die Dunkelheit nach der Zeitumstellung. Zwischen Abholen und Abendessen liegen plötzlich zwei Stunden, in denen draußen nichts mehr geht.
Kürbis aushöhlen und schnitzen
Die Arbeit mit dem Messer übernimmt ein Erwachsener oder ein älteres Geschwisterkind. Kinder höhlen aus, das geht gut mit einem stabilen Löffel oder einem Eisportionierer, malen das Gesicht auf und trennen die Kerne heraus. Realistischer Zeitaufwand: 45 bis 60 Minuten plus Küche wischen. Ein geschnitzter Kürbis hält bei milden Temperaturen drei bis fünf Tage, danach wird er weich und fängt an zu riechen. Schnitzt also nicht zu früh.
Kerzen aus Bienenwachsplatten
Kein heißes Wachs, kein offenes Feuer. Die Platte mit den Händen oder einem Föhn auf niedriger Stufe kurz anwärmen, den Docht einlegen, aufrollen. Zehn Minuten pro Kerze, ab vier Jahren machbar, und das Ergebnis sieht auch dann gut aus, wenn schief gerollt wurde. Eine Platte kostet etwa zwei Euro, was für ein Großelterngeschenk vertretbar ist.
Taschenlampen-Verstecken
Die dunkle Wohnung ist kein Nachteil, sondern das Spielfeld. Licht aus, jedes Kind bekommt eine Taschenlampe, gesucht wird nach versteckten Gegenständen. Kostet nichts, dauert eine halbe Stunde und ist bei uns der zuverlässigste Notfallplan zwischen fünf und sechs Uhr. Mehr Ideen dieser Art sammeln wir unter Spiele und Beschäftigung.
Was bei uns nicht funktioniert hat
Nicht jede Idee aus den Herbstlisten hält, was sie verspricht. Fensterbilder aus Transparentpapier zum Beispiel: schön anzusehen, aber das Ausschneiden überfordert Kinder unter acht, und am Ende schneidet ihr. Der große Waldtag bei Dauerregen ist ebenfalls eine Illusion. Nieselregen geht mit passender Kleidung, Dauerregen nicht, da hilft nur umplanen. Und Kastanienfiguren in Serie für den Schulbasar sind kein Kinderprojekt. Nach der dritten Figur ist Schluss, den Rest macht ihr abends allein.
Ein Punkt noch, der oft vergessen wird: Der Herbst ist auch Kirmessaison. Was so ein Besuch mit Kindern wirklich kostet und was sich davon lohnt, haben wir nach unserem letzten Besuch hier aufgeschrieben.
Ein Nachmittag, der fast immer trägt
Wenn ich es auf einen Ablauf herunterbrechen soll: eine Stunde raus mit Sammelauftrag, Matschhose an, danach Kakao und eine Bastelei aus dem, was in der Tüte ist. Wenn es früh dunkel wird, kommt das Taschenlampenspiel oder eine Kerze. Das ist keine spektakuläre Freizeitbeschäftigung für Kinder im Herbst, aber es funktioniert an einem Dienstag im November, und darauf kommt es an.
Sobald die ersten Frosttage kommen, ändert sich die Lage noch einmal. Was dann mit und vor allem ohne Schnee geht, steht im Winterbeitrag.